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Literaturstudie Blei |
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Literaturstudie zu Vorkommen undgesundheitlicher Bedeutung von Blei in HausstaubVerfasser: Herbert Obenland1, Markus Binder2; im Juli 2004 1 ARGUK-Umweltlabor GmbH, Oberursel Schlagworte: Blei, Bleiquellen, Innenraum, Bleibelastung, Exposition, Gesundheitliche Gefahren, BleiBlutwert, Neurotoxizität, Entwicklungstoxizität, Reproduktionstoxizität, Pfadabschätzung, Orientierungswerte Inhaltsverzeichnis
Stoffeigenschaften und technische VerwendungBlei ist ein bläulich-graues, weiches und dehnbares Schwermetall mit dem chemischen Symbol Pb. Es hat eine Dichte von 11,34 g/cm³, sein Schmelzpunkt liegt bei 327,5°C und sein Siedepunkt bei 1740°C. Gegenüber Säuren wie Schwefel-, Salz- und Flusssäure ist Blei beständig, gegenüber Salpeter- und Essigsäure hingegen nicht. Blei ist bereits seit dem Altertum als giftiges Schwermetall bekannt. Im Römischen Reich fand es weitverbreitete Anwendung in Gläsern und Glasuren für Ess- und Trinkgeschirre. Aus diesen Gegenständen vermochte es sich durch saure Speisen und Getränke zu lösen und in die Körper der Benutzer zu gelangen. Blei ist hochgradig entwicklungs- und neurotoxisch. Manche Geschichtsschreiber sehen deshalb einen Zusammenhang zwischen der Bleiverwendung im Römischen Reich und dessen allmählichem Niedergang. Blei findet bis heute Anwendung in der Glas- und Keramikproduktion. Die Bleiabgabe solcher Produkte ist jedoch streng reglementiert und überwacht. Blei findet überdies Verwendung in Batterien und Akkumulatoren sowie in Blechen, Kabelummantelungen und Rohren. Bis Anfang der 70er Jahre des vergangenen Jahrtausends fanden Bleirohre im Trinkwassernetz Verwendung. In vielen Altbauten besteht bis heute die Hauseinführungsleitung aus Blei. Daraus können hohe Belastungen des Trinkwassers resultieren. Die für Innenraum-Belastungen bedeutendste Anwendung fand Blei bis vor ca. 10 Jahren in Farben und Anstrichen. Bleihaltige Anstriche in Altbauten können bis zu 50% Blei enthalten. Der weitaus bedeutendste Eintrag von Blei in die Umwelt und damit in die Nahrungskette des Menschen fand über Jahrzehnte durch die Verwendung verbleiten Benzins als Kfz-Treibstoff statt. Mit der Einführung von Katalysator und bleifreiem Benzin wurde diese Emissionsquelle drastisch reduziert. Bleiquellen im InnenraumIn einer am Institut für Angewandte Umweltforschung e.V. (IfAU) angefertigten Studie zum Vorkommen von Schwermetallen im Innenraum wurden neben Hausstaub als Expositionspfad auch vereinzelt Materialien als mögliche Bleiquellen untersucht (Riehm 1994). Hohe Bleigehalte wurden dabei vereinzelt in Dielenbrettern, Türen und Fensterhölzern festgestellt. (Tabelle 1) Als Ursache werden Farbpigmente vermutet. Auch Teppichböden und ein älterer PVC-Boden zeigten deutliche Belastungen. Zusammenfassend wird in dieser Studie jedoch festgestellt:"Insgesamt gesehen ist es nur in wenigen Fällen gelungen, anhand von Materialproben den Gehalt an Schwermetallen im Hausstaub zu belegen". In Anbetracht der - wie noch gezeigt werden wird - anhaltend hohen Belastung des Hausstaubs aus bundesrepublikanischen Wohnungen mit Blei besteht hier eindeutig Forschungsbedarf. Das Hauptaugenmerk wird dabei auf beschichtetes und gestrichenes Holz in älteren Bauten zu richten sein. Darauf verweisen neben der zitierten IfAU-Studie auch die Ergebnisse einer im Rahmen des Hamburger Umweltberichts 62/02 durchgeführten Untersuchung von Gebrauchtholz sowie ähnliche Untersuchungen des Landesamtes für Umweltschutz in Bayern (LfU Bayern) und des Landesumweltamtes von Nordrhein-Westfalen (LUA NRW), die ebenfalls in Tabelle 1 dargestellt sind. Tabelle 1. Bleigehalte in behandeltem, beschichtetem und gestrichenem Holz [µg/g]
Gesundheitliche Gefahren durch BleiIm Folgenden werden toxische Wirkungen von Blei vorgestellt, die bei langfristigen Belastungen im Niedrigdosisbereich auftreten können. Zu diesem Typus der Belastung gehört die Bleizufuhr durch Aufnahme bleihaltigen Hausstaubs. Nach Kalberlah (1999) sind die bedeutsamen Endpunkte in diesem Kontext "[...] Neurotoxizität (insbesondere bei pränataler Exposition und im frühen Kindesalter), Reproduktionstoxizität sowie Effekte auf das hämatopoetische System und den Blutdruck". Außerdem gilt nach demselben Autor die Kanzerogenität von Blei im Tierversuch als hinreichend belegt, während epidemiologische Studien beim Menschen zu widersprüchlichen Ergebnissen führen. Bei inhalativer Aufnahme werden vom Menschen ca. 40% des zugeführten Bleis resorbiert (Wilhelm und Evers 1993). Bei oraler Aufnahme und Resorption über den Magen-Darm-Trakt beträgt die Resorptionsquote beim Erwachsenen nur ca. 10 - 15% (Knaut 1989, Leggett 1993), während vom Kind mit ca. 50% Resorptionsquote deutlich mehr über diesen Pfad aufgenommen wird (Alexander und Delves1973). Besondere Beachtung verdient hier der Umstand, dass die genannten Resorptionsquoten bei Menschen mit Eisen-, Calcium- und/oder Zinkmangel noch deutlich ansteigen (Landrigan et al. 1987). Als Risikogruppen gegenüber Blei-Exposition gelten deshalb
Der BleiBlutwert (PbB) Der Umwelt-Survey 1998 des Umweltbundesamtes (Becker et al. 2002) nennt für die bundesdeutsche Bevölkerung im Alter zwischen 18 und 69 Jahren folgende statistische Kenngrößen für die Belastung mit Blei im Blut (Tabelle 2): Tabelle 2. Belastung des Bluts mit Blei (Becker et al. 2002)
Im Belastungs- und Wirkunsmonitoring des Landesgesundheitsamtes Baden - Württemberg (LGA-BW) wurden für 10 - 11-Jährige folgende mediale Blutbelastungen mit Blei festgestellt (Tabelle 3): Tabelle 3. Mediale Blutbelastung (50.Perzentil) von 10 - 11-Jährigen mit Blei (LGA-BW 2002)
Das 90. Perzentil lag bei diesem Monitoring im Untersuchungszeitraum 2000/01 bei 35 µg/L. Vor dem Hintergrund dieser "Normalbelastung" müssen die folgenden epidemiologischen und toxikologischen Daten betrachtet werden. Neurotoxizität und Entwicklungstoxizität In einer Vielzahl von epidemiologischen Untersuchungen wird bei Kindern von Veränderungen der Reaktionszeit und schlechterem Abschneiden in psychologischen Tests bereits bei Bleigehalten von bzw. unter 100 µg/L Blut berichtet. Ein Schwellenwert für frühkindliche neurotoxische Effekte ist nach Aussage der meisten dieser Studien nicht anzugeben. Eine Zusammenfassung der Ergebnisse der bedeutendsten Studien zeigt Tabelle 4. Tabelle 4. Studien zur Neuro- und Entwicklungstoxizität von Blei.
Nach einer repräsentativen Erhebung in den USA korreliert das Alter, ab dem Kinder das erste Mal sich aufsetzen, gehen und sprechen, signifikant mit dem BleiBlutwert. Auch die Gehörschwelle soll nach dieser Erhebung in Zusammenhang mit dem BleiBlutwert stehen (EPA 1989). Toxikologische Daten aus Tierversuchen bestätigen bezüglich der Wirkungen von Blei auf das zentrale Nervensystem die Befunde beim Menschen. Bei Untersuchungen an Affen wurden bereits bei einem PbB von 110 µg/L irreversible Verhaltensänderungen festgestellt, ohne dass ein Schwellenwert erkennbar gewesen wäre (Rice 1992). Reproduktionstoxizität Effekte auf den Blutdruck Vorkommen von Blei in Umweltmedien und NahrungTrinkwasser Tabelle 5. Bleibelastung des Trinkwassers - Umwelt-Survey 1998 (Becker et al. 2002)
Das Institut für Angewandte Umweltforschung (IfAU) in Oberursel ermittelte in einer "Studie zur Belastung des Trinkwassers in Frankfurt/M. mit Blei, Kupfer, Nitrat und Nitrit" 1996 folgende Bleibelastungen in Stagnationswasser: Tabelle 6. Bleibelastung des Trinkwassers - IfAU-Studie (Pfeil et al. 1997)
Boden Luft und Schwebstaub Hausstaub Tabelle 7. Blei im Hausstaub (Krause et al. 1991, Friedrich et al. 2001)
Das Institut für Angewandte Umweltforschung (IfAU) in Oberursel ermittelte in seiner Studie zum Vorkommen von Schwermetallen im Innenraum folgende Bleibelastungen im Hausstaub: Tabelle 8. Blei in Hausstaub (Riehm 1994)
Abschätzung der gesamten äußeren Exposition gegenüber Blei für Erwachsene und KleinkinderFolgende Standardannahmen gehen in die hier vorgestellte Expositionsabschätzung ein: Tabelle 9. Standard-Annahmen für die Abschätzung der gesamten äußeren Exposition gegenüber Blei für Erwachsene und Kleinkinder
Expositionspfad Trinkwasser Tabelle 10. Tägliche Blei-Aufnahme über das Trinkwasser
Expositionspfad Boden Tabelle 11. Tägliche Blei-Aufnahme über den Boden
Expositionspfad Luft Tabelle 12. Tägliche Blei-Aufnahme über die Luft.
Expositionspfad Hausstaub Tabelle 13. Tägliche Blei-Aufnahme über den Hausstaub.
Expositionspfad Nahrung Tabelle 14. Tägliche Blei-Aufnahme über die Nahrung.
Gesamtexposition Tabelle 15. Summe der täglichen Blei-Aufnahme über die wichtigsten
Expositionspfade
Fazit: Bezogen auf das Körpergewicht nehmen Kinder täglich eine ca. 10-fach höhere Bleidosis auf als Erwachsene. Warum diese Dosis nicht tolerierbar ist, zeigen wir in den nächsten beiden Kapiteln. Über den Zusammenhang von äußerer und innerer ExpositionIn Tabelle 4 sind einige Arbeiten aufgeführt, die bei Kindern schädliche Effekte mit BleiBlutwerten von 100 µg/L und weniger in Verbindung bringen. Kalberlah (1999) wertet deshalb eine Belastung des Blutes mit Blei in Höhe von 100 µg/L als LOAEL ("Lowest Observed Adverse Effect Level") bei empfindlichen Personengruppen. Er bewegt sich damit im selben Bereich wie die "Human - Biomonitoring - Kommission" (HBM-Kommission) des UBA, die in ihrer "Stoffmonografie Blei" bezüglich Störungen des Nervensystems niedrigste mit Effekten verbundene Bleibelastungen des Blutes zwischen 50 und 470 µg/L referiert (HBM-Kommission 1996). Die HBM-Kommission hat daraus folgende Humanbiomonitoring-Werte (HBM-Werte) abgeleitet: Tabelle 16. Humanbiomonitoring-Werte (HBM-Werte) für Blei im
Vollblut (µg/L).
Die WHO (1996) betrachtet ebenfalls 100 µg/L als kritischen Schwellenwert. Nach Carlisle und Wade (1992) gibt es im Niedrigdosisbereich einen praktisch linearen Zusammenhang zwischen innerer und äußerer Exposition, der sich in folgender Funktionsgleichung ausdrücken lässt:
Einem LOAEL von y = 100 µg Pb/L entspricht demnach eine rechnerische Bleizufuhr von ca. 60 µg/d. Bei Kindern mit einem Körpergewicht von 15 kg und einem BleiBlutwert von 100 µg/L ist deshalb mit einer dem LOAEL entsprechenden Zufuhr - Dosis von 4 µg/kg KG/d zu rechnen. Kalberlah (1999) versieht diese Zufuhrdosis mit einem Sicherheitsfaktor 2. Unter Berücksichtigung einer Resorptionsquote von 50% bei Kindern kommt er schließlich zu einer resorbierten Dosis von 1 µg/kg KG/d, die man als geschätzten NOAEL ("No Observed Adverse Effect Level") für die äußere Exposition betrachten kann. Die Dosis von 1 µg/kg KG/d bezeichnet Kalberlah als "vorläufigen TRD-Wert" (TRD = "Tolerierbare Resorbierte Dosis"). Er ist nicht, wie eigentlich für einen TRD-Wert erforderlich, NOAEL - gestützt, denn es fehlt an eindeutigen Hinweisen auf die Existenz eines Schwellenwertes. Überdies bestehen Verdachtsmomente auf adverse Effekte deutlich unterhalb des eingangs zugrunde gelegten LOAEL. Der vorläufige TRD-Wert für Blei von 1 µg/kg KG/d ist also weniger ein tolerierbares Maß denn eine durch die hohe Exposition erzwungene vorläufige Duldung! Die Exposition von Kleinkindern gegenüber Blei ist zu hochDie weiter oben durchgeführte Expositionsabschätzung zeigt, dass für Kleinkinder eine tägliche Blei - Aufnahme von 2,4 µg/kg KG nichts Ungewöhnliches darstellt. Eine solche Dosis bedeutet eine 2 bis 3-fache Überschreitung des vorläufigen TRD-Wertes von 1 µg/kg KG/d. Ein Blick auf die Verteilung der Dosis von 2,4 µg/kg KG/d auf die einzelnen Expositionspfade zeigt, wo Minderungsnotwendigkeiten und -möglichkeiten bestehen (vergleiche Tabellen 9 bis 14). Tabelle 17. Zusammensetzung der gesamten täglichen Blei-Aufnahme aus den einzelnen Expositionspfaden.
Die Expositionspfade nach ihrer Bedeutung gewichtet ergibt Nahrung > Hausstaub > Wasser > Luft > Boden Der Nahrungspfad allein führt bereits zu einer Überschreitung des TRD-Wertes. Hier gibt es jedoch begründeten Anlass zum Optimismus, denn die Belastung der Nahrung mit Blei wird amtlich kontrolliert und sinkt seit Einführung des bleifreien Kfz-Kraftstoffs beständig. Neueste Untersuchungen sehen den Anteil des Nahrungspfads an der Gesamtexposition und am TRD-Wert deutlich niedriger (Wilhelm et al. 2003). Die Möglichkeiten der persönlichen Einflussnahme auf die Blei-Aufnahme durch die Nahrung sind gering. Sie liegen im Wesentlichen im Verzicht auf den Verzehr von Innereien sowie im sorgfältigen Waschen und gegebenenfalls Schälen von Obst und Gemüse. Der Hausstaubpfad beansprucht mit ca. 60% einen viel zu hohen Anteil am TRD-Wert. Hier liegt kurz- und mittelfristig das größte Minderungspotenzial für die Bleiaufnahme von Kleinkindern. Für Kleinkinder mit stark ausgeprägtem Hand-zu-Mund - Verhalten ist der Hausstaubpfad von geradezu dramatischer Bedeutung. Sie können 1 g Hausstaub und mehr am Tag verschlucken (Calabrese et al. 1989) und so die gesamte Tagesdosis leicht vervielfachen. Die Möglichkeit der persönlichen Einflussnahme auf die Verminderung der Blei-Aufnahme von Kleinkindern durch Verschlucken von Hausstaub ist vergleichsweise groß. Sie besteht im Wesentlichen in Maßnahmen zur Absenkung des Bleigehalts im Hausstaub, d.h. in der Quellenidentifizierung und -beseitigung sowie in der regelmäßigen und effektiven Beseitigung von Altstäuben. Der Trinkwasserpfad ist zwar am klarsten reguliert, füllt mit 35% jedoch einen immer noch zu großen Anteil am TRD-Wert aus. Das ist insofern beachtlich, als die in der obigen Expositionsabschätzung veranschlagte Blei-Konzentration im Trinkwasser von 7,6 µg/L bereits den erst 2013 in Kraft tretenden Grenzwert von 10 µg/L unterschreitet. Seit dem 1.12.2003 gilt ein Grenzwert von 25 µg Blei/L Trinkwasser. Er wird in Häusern mit Bleileitungen leicht erreicht. Die Ausschöpfung dieses Grenzwerts kann für Säuglinge und Kleinkinder sehr gefährlich werden. Der vorläufige TRD-Wert würde in diesem Falle allein schon durch den täglichen Wasserverzehr erreicht und überschritten. Der sichere Weg ist bezüglich des Trinkwassers nicht die Orientierung am geltenden Grenzwert, sondern der Verzicht auf die Versorgung von Säuglingen und Kleinkindern mit Wasser, das durch Bleileitungen geflossen ist. Der Luftpfad ist praktisch unbedeutend, während der Bodenpfad zumindest auf Spielplätzen und dort insbesondere in Sandkästen kontrolliert werden muss. Bodenschutzverordnung und örtliche Satzungen regeln hier die Belastungsgrenzen. Von allen relevanten Expositionspfaden ist mithin einzig der Hausstaub ohne jede Regulierung, die die Bleibelastung begrenzt. Und das, obwohl er sich tendenziell für Kleinkinder zum wichtigsten Belastungspfad entwickelt. Im folgenden bieten wir hilfsweise einen ARGUK-Orientierungswert an. Der ARGUK-Orientierungwert für Blei im HausstaubUm unseren Kunden bei der Einordnung eines Analysenbefundes behilflich zu sein, bedienen wir uns generell zweier Typen von Orientierungswerten (OW). Typ eins (OW I und OW II umfassend) ist statistisch begründet und beschreibt die Normal- oder Hintergrundbelastung eines Mediums mit einem Schadstoff. OW I benennt die häufigste, als durchschnittlich zu betrachtende Belastung und ist aus dem 50. Perzentil der Verteilung der Hintergrundbelastung abgeleitet. OW II bezieht sich auf die Obergrenze der Verteilung der Normalbelastung und ist aus dem 90. Perzentil derselben abgeleitet. Typ zwei (OW III umfassend) ist toxikololgisch oder epidemiologisch begründet. Mit seiner Überschreitung ist eine Warnschwelle überschritten, jenseits derer bei gegenwärtigem Wissensstand für empfindliche Personen und Risikogruppen gesundheitlich nachhaltige Auswirkungen nicht mehr mit hinreichender Sicherheit ausgeschlossen werden können. In der Regel sind OW I und OW II kleiner als OW III. In diesen Fällen empfehlen wir aus Gründen der gesundheitlichen Sicherheit die Unterschreitung von OW III und aus Gründen der gesundheitlichen Vorsorge die Unterschreitung von OW II sowie die Einhaltung von OW I. Sind OW II und vielleicht sogar OW I größer als OW III, so haben wir es mit einem erstrangigen Umweltschadstoff zu tun. In diesem Fall sind für empfindliche Personen und Risikogruppen gesundheitlich nachhaltige Auswirkungen bereits bei Exposition gegenüber der Hintergrundbelastung nicht auszuschließen. Die Aufstellung eines OW I und OW II verbietet sich hier, da mit diesen kein Vorsorge-Bezug mehr gewährleistet wäre. Blei ist zu den erstrangigen Umweltschadstoffen zu zählen. Für die Risikogruppe Kleinkinder erreicht nach Tabelle 17 die gesamte Tagesdosis das bis zu 2,5-fache des TRD-Wertes, wobei ca. 60% des TRD-Wertes allein von der Exposition gegenüber dem Blei im Hausstaub abgedeckt werden. Eine Absenkung dieses Anteils auf einen Konventionellen 10%-Anteil am TRD-Wert von 1 µg/kg KG/d erfordert unter Beibehaltung der in Tabelle 13 (Expositionspfad Hausstaub) genannte Aufnahmerate und Expositionshäufigkeit die Einhaltung eines Bleigehaltes im Hausstaub von höchstens 20-30 µg/g. Der ARGUK-Orientierungswert III (OW III) für die Bleibelastung von Hausstaub beträgt deshalb 25 µg/g.
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