Archiv 2000 - 2002
Übersicht der Nachrichten aus den Jahren 2000 - 2002. Die Nachrichten
sind nach Datum sortiert, die neueste Nachricht steht oben. Zur Gesamtübersicht.
Übersicht
21.11.2002
Guanin im Hausstaub
Guanin als Indikator eines Milbenbefalls kann nun in unserem Labor
selektiv und mit hoher Empfindlichkeit mittels Hochdruckflüssigkeitschromatographie
nachgewiesen werden.
Milben enthalten in ihrem
Kot allergieauslösende Stoffe, die für den Allergiker Bett und Wohnung
verleiden können. Mit der Bestimmung der Guanin-Konzentration kann somit
ein allergisierendes Potential von Bettbezügen, Polstermöbel oder Hausstaub
erkannt und durch geeignete Massnahmen vermindert werden.
12.11.2002
Chlorparaffine im Innenraum
Eine verstärkt in Innenraum-Proben auftretende Schadstoffgruppe stellten
die Chlorparaffine
dar. Von uns nachgewiesene Gehalte im Hausstaub bis 150 mg/kg oder in
Lederproben von über 5000 mg/kg belegen diese bislang in der Fachwelt
häufig, weil analytisch schwer erkennbar, übersehene Innenraum-Belastung.
Chlorparaffine treten als Substanzgemisch auf. Mit abnehmender Kettenlänge
steigt das toxikologische Potential. Für die Chlorparaffine mit C10
bis C13-Ketten existiert von der EU seit Juni 2002 eine Nutzungseinschränkung.
11.11.2002
Bromierte Flammschutzmittel durch Fertigparkett?
Bei Reihenuntersuchungen aus neu eingerichteten Wohnungen tauchen in
letzter Zeit gehäuft hohe Konzentrationen an bromierten
Flammschutzmitteln im Hausstaub auf. Ein Eintrag in den Hausstaub
über die Raumluft ist auf Grund der Schwerflüchtigkeit dieser Substanzen
wenig wahrscheinlich. Als Quellen kommen daher entweder Parkettversiegelungen
oder das Parkettholz selbst in Betracht. Als Risikogruppe sind wie bei
allen persistenten Stoffen im Hausstaub die Krabbel- und Kleinkinder
anzusehen. Die orale Aufnahme von Staub durch Verschlucken dedeutet
für diesen Personenkreis einen wesentlichen Aufnahmepfad.
25.09.2001
Berücksichtigen die bestehenden PCB-Richtlinien in ausreichendem Maße
den Schutz von Kindern und Jugendlichen?
Unter diesem Titel hat das ARGUK-Umweltlabor einen Teil seiner Forschungsergebnisse
der letzten Jahre zum Thema PCB in Innenräumen zusammengefasst. Anlass
dazu gab das Forum Ökologie der Grünen im Düsseldorfer Landtag am 31.
August, das sich unter anderem mit PCB-Belastungen in Schulen und Kindergärten
in NRW befasste. Ein Mitarbeiter des Labors hat dort unsere Ergebnisse
vorgestellt und unsere Position eingebracht. Es folgt die Zusammenfassung
des Papiers:
Das ehemalige Bundesgesundheitsamt und das Umweltbundesamt legten sich
1988 auf einen Wert für die tolerierbare tägliche Aufnahme (TDI-Wert)
an PCB von 1 bis max. 3 µg PCB-Gesamt pro kg Körpergewicht (KG) fest.
Darauf basierend wurden PCB-Richtlinien der Länder erstellt, in denen
unter ausschließlicher Berücksichtigung des Luftpfades eine Konzentration
von 300 ng/m³ als langfristig tolerabel angesehen wird, während bei
3000 ng/m³ eine Sanierung einzuleiten ist. In diesem Papier werden zwei
Thesen aufgestellt und diskutiert:
1. Die den bestehenden PCB-Richtlinien zugrunde liegenden Annahmen
über die täglich duldbare Aufnahme von PCB sind zu hoch.
2. Der Hausstaub ist ein PCB-Expositionspfad und kann bedeutende Beiträge
zur objektbezogenen Zusatzbelastung liefern.
Die aktuelle Datenlage zeigt, dass die Toxizität von PCB Gemischen
insgesamt und im Hinblick auf die meist darin vorkommenden dioxinähnlichen
koplanaren PCBs unterschätzt wurde. Das belagen eigene Laborergebnisse
und eine Literaturübersicht, zusammengestellt von Hassauer und Kalberlah
(2000). Die in Deutschland derzeit bestehenden TDI Werte für PCBs sollten
daher circa um den Faktor 50 gesenkt werden.
Bei Hausstaubuntersuchungen wurden detaillierte Kongenerenmuster inklusive
der koplanaren PCB erstellt und in mehreren Objekten der PCB Gehalt
in Luft, Hausstaub und mutmaßlichen Quellen bestimmt. Der Hausstaub
kann demnach nicht nur deutliche Mengen an PCB aus der Luft aufnehmen,
sondern in besonderen Belastungssituationen sogar den überwiegenden
Anteil an einer objektbezogenen PCB Aufnahme ausmachen. Bei der Überarbeitung
der PCB-Richtlinien sollte dies Berücksichtigung finden.
Von Herbert Obenland, Markus Binder und Wigbert Maraun, ARGUK Umweltlabor,
Oberursel, im September 2001
Den vollständigen Artikel finden Sie hier.
Weitere Informationen zum Thema PCB finden Sie in unseren Infoblättern PCB und Koplanare PCB
06.07.2001
Hautausschlag nach Renovierung - Konservierungsstoff in Dispersionsfarben
kann Allergien auslösen
Kurz nach Wiederbezug ihrer renovierten Wohnung erlitt eine 46-jährige
Frau juckende Ausschläge an den luftexponierten Stellen wie Arme und
Gesicht. Ähnlich reagierte eine 33-jährige Kellnerin, nachdem sie an
ihren Arbeitsplatz zurückkehrte - dieser war während ihrer Abwesenheit
renoviert worden. In beiden Fällen konnten die allergischen Reaktionen
auf den Konservierungsstoff zurückgeführt werden, der den verwendeten
Dispersions-Wandfarben zugesetzt war. Diese Topfkonservierer sollen
die mikrobielle Zerstzung der auf Wasserbasis hergestellten Farben verhindern.
Bei den Topfkonservierern handelt es sich oft um ein Gemisch sogenannter
Isothiazolone, die z.B. unter dem
Namen Kathon oder Parmetol in den Handel kommen. Entsprechend der Klassierung
der Gefahrstoffverordnung sind sie giftig beim Verschlucken und bei
Berührung mit der Haut. Dazu sind Isothiazolone stark haut- und schleimhautreizend
und zeigten im Inhalations-Tierversuch eine deutliche toxische Wirkung
auf den Atemtrakt. Aufgrund dieser Studie wurde eine maximal zulässige
Arbeitsplatzkonzentration (MAK-Wert) von 50 Mikrogramm/m³ abgeleitet.
Für die Allgemeinbevölkerung nennt das Umweltbundesamt einen Schwellenwert
von 0,05 Mikrogramm/m³, unterhalb dessen keine gesundheitliche Beeinträchtigung
zu erwarten ist. Konzentrationen um 0,5 Mikrogramm/m³ signalisieren
nach Ansicht dieses Amtes unverzüglichen Handlungsbedarf.
In einer Pilot-Studie hat das ARGUK-Umweltlabor einen Wohnraum untersucht,
in dem die Decke mit einer als emissions- und lösemittelfrei deklarierten
Farbe gestrichen wurde. Einen halben Tag nach dem Anstrich fanden wir
Isothiazolone in einer Raumluft-Konzentration von 1,6 Mikrogramm/m³.
Vier Tage später waren es noch 0,5 Mikrogramm/m³, und nach 17 Tagen
noch 0,2 Mikrogramm/m³. Auch in dem Staub, der sich während der Renovierungsarbeiten
auf einem abgedeckten Schrank angesammelt hatte, konnten Isothiazolone
nachgewiesen werden. Diese ausgewählten Meßwerte zeigen deutlich, dass
in einem Zeitraum von mindestens 2 bis 3 Wochen nach einer Renovierung
bei sensibiliserten Personen die Möglichkeit besteht, allergisch auf
die Emissionen aus der Farbe zu reagieren, wenn sie sich länger in solchen
Räumen aufhalten. Wir empfehlen daher gründliches Lüften, um die Konzentrationen
zu minimieren.
In einer weiteren noch laufenden Studie soll festgestellt werden, wie
weit das vom Hausstaub aufgenommene Isothiazolon zur Gesamtexposition
beiträgt, und ob Hausstaub als Anzeiger für eine Innenraumbelastung
dienen kann. Die Analyse von Isothiazolonen in der Raumluft (Methyl-
und Chlormethyl-Isothiazolon) wurde in das ARGUK-Untersuchungsprogramm
aufgenommen.
15.03.2001
Umwelthormone am Beispiel Bisphenol A - Umweltbundesamt fordert eingeschränkte
Verwendung
Seit längerem stehen Industriechemikalien im Verdacht, den Hormonhaushalt
von Mensch und Tier zu stören. Befürchtete Effekte sind eine reduzierte
männliche Fruchtbarkeit, oder gesteigerte Raten von Hoden- oder Brustkrebs.
Besonders gefährdet sind dabei Kinder und männliche Feten, da sie in
ihrer Entwicklungsphase besonders empfindlich gegenüber hormonellen
Einflüssen von außen sind.
Bisphenol
A gehört zu den wichtigsten Chemikalien mit einer hormonellen
Wirkung. Es wird weltweit in großen Mengen zur Produktion von Polycarbonaten
und Epoxidharzen verwendet (in Europa 1997/98 ca. 640 000 Tonnen) und
findet sich in so unterschiedlichen Produkten wie CD´s, Beschichtungen
von Konservendosen, Babyflaschen, Verpackungen für Nahrungsmittel oder
zahnmedizinischem Material. In der Umwelt ist der Stoff bereits überall
nachweisbar, der Mensch nimmt ihn aber hauptsächlich über die Nahrung
auf.
Bisher ging man davon aus, dass unterhalb einer Aufnahmekonzentration
von 50 Mikrogramm pro Kilo Körpergewicht pro Tag keine schädliche Wirkung
zu erwarten ist. Neue Untersuchungen haben jedoch ergeben, dass auch
Wirkungen bei bis zu 2500 mal geringeren Konzentrationen auftreten und
so ein Dogma der Toxikologie (geringe Konzentration = geringe Wirkung)
auf den Kopf gestellt wird. Damit geraten auch viele andere Chemikalien
in den Verdacht, im Niedrig-Dosis-Bereich schädlich zu sein, weil sie
nie darauf geprüft wurden.
Auf einem Symposium im November 2000 trafen sich Forscher und Vertreter
des Umweltbundesamtes sowie der Industrie, um über die widersprüchlichen
Ergebnisse und künftige Strategien zu diskutieren. Dr. Andreas Gies,
beim Umweltbundesamt für Bewertungsfragen zuständig, forderte im Sinne
des Verbraucherschutzes die Begrenzung von Bisphenol A auf unbedenkliche
Anwendungsgebiete. Herwig Hulpke von Bayer vertrat beim Pressegespräch
den Verband der Chemischen Industrie und verteidigte dagegen Bisphenol
A als sicher. Er räumte jedoch ein, dass man bereits an Ersatzstoffen
arbeite und mit dem Umweltbundesamt über Vermeidung von Einsatzgebieten
spreche.
Das ARGUK-Umweltlabor bietet die Untersuchung von Bisphenol A standardmäßig
in seinem Analyseprogramm an. Darüber hinaus können Umweltmedien wie
z.B. Hausstaub auch auf andere bekanntermaßen hormonell wirksame Stoffe
wie Phthalate
(Weichmacher), Flammschutzmittel
oder Organozinnverbindungen
untersucht werden.
03.02.2001
Untersuchungsprogramm für Biogene Allergene erweitert
Das ARGUK Umweltlabor bietet jetzt die Konzentrationsbestimmung von
Schimmelpilzsporen
im Hausstaub an. Damit werden die beiden bislang angewendeten Verfahren
zur Feststellung eines Schimmelpilzbefalls sinnvoll erweitert. Bisher
wurden die Sporenkonzentration und die MVOC (Microbial Volatile Organic
Compounds = Mikrobielle flüchtige organische Verbindungen) in der Raumluft
ermittelt, um akuten und verdeckten Befall zu diagnostizieren. Dabei
besitzen kurzzeitige Raumluftmessungen den Charakter einer Momentaufnahme.
Eventuell auftretende Tief- oder Spitzenkonzentrationen können das Bild
der tatsächlich vorhandenen Belastungssituation verzerren. Mit der Bestimmung
des Sporengehaltes im Hausstaub wird eine Sporenquelle über einen längeren
Zeitraum (in der Regel 7 Tage alter Hausstaub) erfasst. Durch diesen
mittelnden Summenwert wird daher eine wichtige zusätzliche Information
gewonnen.
Die Sporen des Schimmelpilzes dienen seiner Fortpflanzung und können
gesundheitliche Beschwerden auslösen. Schon ein leichter Luftzug reicht
aus, um sie vom Vegetationskörper zu lösen und in die Raumluft zu befördern.
Dort werden sie eingeatmet und können je nach allergischer Potenz und
Expositionsdauer Pilzallergien, Asthma, exogen-allergische Alveolitis,
Mykosen und andere Krankheiten auslösen. Atemwegsbeschwerden, Hautreizungen,
Kopfschmerzen, Konzentrationsschwäche und Augenirritationen sind dabei
häufige Symptome.
15.01.2001
TBEP jetzt auch in Linoleum nachzuweisen
Hohe Konzentrationen des Flammschutzmittels
Tris-(2-butoxyethyl)phosphat (TBEP) wurden in Proben aus neuwertigem
Linoleum ermittelt. Entsprechende Hausstaub-Untersuchungen führten ebenfalls
zu erhöhten Messwerten. Anlass der Untersuchungen stellten gesundheitliche
Beschwerden der Betroffenen dar. (siehe auch Meldung vom 14.11.2000)
30.12.2000
Hohe DEHP-Werte in Verbindung mit erhöhtem Gehalt an Chlorparaffinen
gefunden
Erhöhte Konzentrationen wurden in einer Hausstaub-Probe gefunden, die
von einem mit DD-Lack versiegelten Parkettfussboden entnommen wurde.
Als eine mögliche Quelle kommt in diesem Fall daher der DD-Lack selbst
in Frage. Wir empfehlen grundsätzlich vor der Versiegelung eines Parkettfussbodens
die gründliche Prüfung des DIN-Sicherheitsdatenblattes des entsprechenden
Mittels und ggf. auch die Nachfrage bei den Berufsgenossenschaften der
Bauwirtschaft nach verträglicheren Produkten.
14.11.2000
Hohe Konzentrationen an Tris-(2-butoxyethyl)phosphat (TBEP) in Schaumstoff
gefunden
TBEP gehört in die Stoffgruppe der trisphosphatischen
Flammschutzmittel, von denen einige Vertreter für ihre sensibilisierende
und reizende Wirkung auf die menschliche Haut und Schleimhaut bekannt
sind. Bisher war ihre Verwendung hauptsächlich im Zusammenhang mit flammhemmender
Ausrüstung von Baumaterialien oder Textilien bekannt. Das Vorkommen
in Schaumstoff bedeutet eine Quelle, bei der unmittelbarer Körperkontakt
bestehen kann. In einigen Fällen wurde uns nächtlicher Hustenreiz der
Betroffenen geschildert, woraufhin die Untersuchung der Schaumstoff-Matratze
erhöhte Gehalte an TBEP ergaben.
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