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Formaldehyd im Innenraum |
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©Info-Reihe:Schadstoffe im Innenraum, 1/2002
Strukturformel von Formaldehyd
StoffeigenschaftenFormaldehyd stellt bei Raumtemperatur ein farb- und geruchloses Gas mit einer Siedetemperatur von -19,5 °C dar und ist sehr reaktiv (aufgrund der schnellen Zersetzung erfolgt die Untersuchung ausschließlich aus Raumluft oder Materialproben). AnwendungFormaldehyd wird für die Herstellung von phenolischen, Harnstoff-, Melamin-, und Acetal-Harzen als Bindemittel für Holzwerkstoffe (Pressspan, Möbel, Paneelen) verwendet. In Textilien wird es zur Knitterfestigkeit angewendet, ferner als Fungizid oder als Konservierungsstoff in Kosmetika. Daneben wird es aus säurehärtenden Lacken freigesetzt. Bekannt ist auch das "Formalin": eine 30-50%-ige wässrige Formaldehyd-Lösung. ProduktionsmengenAllein in der BRD wurden Mitte der 80er Jahre noch 500 000 to Formaldehyd im Jahr produziert. In der EG waren es zu dieser Zeit 1,7 Mio. to VerbreitungNeben der Emission vorrangig aus Pressspan-Produkten wird Formaldehyd bei allen unvollständigen Verbrennungsprozessen wie z.B. im Tabakrauch, Kfz-Abgasen oder Feuerungsanlagen freigesetzt. Aufgrund des vielfältigen Einsatzgebiets ist Formaldehyd im Innenraum überall anzutreffen. - Reinluftgebiete: 1- 2 µg/m3 - Ballungsgebiete: 10-20 µg/m3 - Raucherhaushalt: Erhöhung der Konzentration an Formaldehyd um ca. 100 µg/m3 beim Konsum von 2 Zigaretten in einem ca. 30 m3 großem Raum - Nahrung: Aufnahme von 1,5-14 mg pro Person und Tag Vorkommen in Raumluftproben*Konzentrationen in µg/m3
*: statistisch abgeleitete Werte aus ARGUK-Untersuchungen der Jahre 1994-1999, n= 920 Proben Formaldehyd in Raumluftproben
n = 1051, Proben in zeitlicher Reihenfolge von 1993 bis 2001 Die Grafik zeigt in zeitlicher Reihenfolge Formaldehydbelastungen in Raumluftproben von 1993 bis 2001. Am Verlauf der Konzentrationen ist seit dem in Kraft treten der E1-Emissionsrichtlinie für Holzwerkstoffe (1988) kein Rückgang der Raumluftbelastungen mit Formaldehyd festzustellen. Größenklassenverteilung[%]-Anteil an Raumluft-Proben*
* statistisch abgeleitete Werte aus ARGUK-Untersuchungen der Jahre 1993-2001, n= 1051 Proben ToxikologieSensibilisierend, allergisierend und Allergie-verstärkend. Im Vordergrund steht die akut schleimhautreizende Wirkung bei erhöhter Raumluftbelastung. Die Reizung der Atemwege kann zu Asthma bronchiale führen. Im Tierversuch (Inhalationsstudien) gilt die kanzerogene Wirkung als ausreichend gesichert. Sowohl die US amerikanische Umweltbehörde (US-EPA) als auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) werten Formaldehyd als wahrscheinliches Kanzerogen mittlerer Gefährlichkeit. Bei längerfristiger Exposition gegenüber erhöhten Belastungen an Formaldehyd in der Innenraumluft kann es zu Beeinträchtigungen des Gedächtnisses, der Konzentrationsfähigkeit und des Schlafverhaltens kommen.
Geruchs-Schwellenwerte
Je nach individueller Empfindlichkeit können die Wahrnehmungs-Schwellenwerte sehr unterschiedlich ausfallen Regulation
Einstufung der MAK-Komission: Kategorie 4 - Stoffe mit krebserzeugender Wirkung, bei denen genotoxische Effekte keine oder nur eine untergeordnete Rolle spielen. ARGUK-Orientierungswert für Raumluft
BiomonitoringFormaldehyd, bzw. dessen Oxidationsprodukt Ameisensäure (als Salz: Formiat), stellt ein durchaus übliches Stoffwechselprodukt z.B. von (Stickstoff-) methylierten Verbindungen im menschlichen Körper dar. Es wird mit dem Urin ausgeschieden. Je nach Ernährungsgewohnheit finden sich deshalb z.T. hohe Formiat-Konzentrationen im Urin, obwohl keine äußere Belastung mit Formaldehyd gegeben ist. Aus diesem Grund sind Formiat-Messungen im Urin zur Abschätzung der äußeren Formaldehyd-Belastung sehr kritisch zu hinterfragen! FallbeispielNach Umzug in ein älteres Fertighaus treten Beschwerden wie gerötete und gereizte Augen (vor allem nach der Nachtruhe) auf; erhöhter Formaldehydgehalt in der Raumluft durch Preßspanbauteile des Gebäudes. VerdachtshinweiseZu akuten Gesundheitsbeschwerden, die mit erhöhten Formaldehyd-Konzentrationen in Verbindung gebracht werden, gehören u.a. Schleimhautreizungen, Kopfschmerzen, gerötete Augen und Husten. Diese Reaktionen können bei Aufenthalt in älteren Fertighäusern (z.B. OKAL) bzw. bei Anwesenheit von Preßspan- oder Polstermöbeln, Laminat, Fertigparkett, Paneelen u.a. auftreten. Wichtiger Hinweis: Die genannten Beschwerden müssen im Umkehrschluss nicht zwangsläufig auf das Vorkommen von erhöhten Formaldehyd-Konzentrationen hindeuten. Unterschiedliche Innenraum-Schadstoffe können ähnliche Symptome auslösen. Haut-, Schleimhaut- oder Atemwegsreizungen können beispielsweise auch durch Phthalsäureanhydrid, Isothiazolone, trisphosphatische Flammschutzmittel oder Schimmelpilzsporen ausgelöst werden. UntersuchungsmöglichkeitenFormaldehyd kann in Material (z.B. Preßspanplatten) und Raumluft nachgewiesen werden. Die Bestimmung von Formaldehyd in der Raumluft mit einem Schnelltest auf Diffusionsbasis ist möglich, aber nicht zu empfehlen. Solche Tests neigen zu einer Überschätzung der tatsächlich vorhandenen Formaldehyd-Konzentration und sind im praktisch relevanten Konzentrationsbereich (50 - 120 µg/m³) sehr ungenau. Wir raten daher zu einer aktiven Raumluftmessung von Formaldehyd und bieten dazu zwei Verfahren an:
Sollten Sie weitere Fragen haben, können Sie sich gern an uns wenden. |
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